Abgeschickt von Blue am 24 Dezember, 2007 um 12:58:59
Antwort auf: Re: Zweithund von D: Endemann am 22 Dezember, 2007 um 13:01:57:

Hallo,
ich würde an deiner Stelle deinen Hund bestimmen lassen, welcher Hund einzieht. Manche Hunde finden Welpen nur nervig. Und oft ergibt sich mit dem Erwachsen werden ein Rangkampf, der die Familie spaltet. So kenne ich Züchter, die ihre beiden Hündinnen getrennt halten mussten von dem Tage an, an dem die junge das erste Mal läufig wurde. Dabei vertrugen sich beide mit anderen Hunden gut, nur die beiden hassten sich und bekamen keine Rangordnung hin. Auch bei Rüdenbesitzern habe ich schon von Leuten gehört, die Vater und Sohn nach der Geschlechtsreife strikt trennen mussten. (Auch noch nachdem der junge kastriert worden war!)
Ich würde mir einen älteren Hund (mindestens 3 Jahre) dazu nehmen und deine Hündin mit entscheiden lassen, welcher Hund es sein soll. Die beiden müssen sich mögen. Und du musst Zeit genug haben, mit dem einen große Spaziergänge zu machen oder in die Hundeschule zu gehen auch wenn der andere vielleicht gesundheitlich bedingt nicht mehr so laufen mag und lieber zu Hause bleibt.
Ich habe ein Pärchen. Der Rüde ist 7, die Hündin ist 11 Jahre alt. Die Hündin kam mit fast 6 Jahren zu uns und hat den Rüden (ein echter Softie!) erst mal ständig schikaniert und gemobbt. Wir hatten sie nicht ausgesucht, sie kam als Notdalmatiner zu uns in Pflege. Du musst einfach ein Gefühl dafür haben, wo du dich einmischen darfst oder gar musst und wo du die Hunde es lieber unter sich ausmachen lässt. Mischt du dich zu viel ein, wird der Stress möglicherweise so schlimm, dass keine Rangordnung und damit Ruhe mehr einkehrt. Mischt du dich zu wenig ein, wird möglicherweise der Rangniedere total zurück gedrängt. Bei mir wäre das Burli gewesen, der wirklich sehr unter Alexa litt.
Heute sind sie ein tolles Team und Burli liebt seine Alexa abgöttisch. Trotzdem würde ich mir bewusst lieber eine Konstellation auswählen, die sich gleich gut versteht. Hunde, die miteinander spielen und toben, sich einfach mögen.
Mit einer 8-jährigen Hündin und einem Welpen ist das so eine Sache, da man das Ergebnis nicht vorhersehen kann. Wird der Welpe den Althund nach Geschlechtsreife vom Thron stoßen? Wird der Althund seinen Rang kampflos aufgeben?
Bei vielen klappt es gut, aber bei uns in der Nachbarschaft gab es einen alten Rüden, der schien sich vor lauter Stress wegen des allseits so beliebten Welpens immer mehr zurück zu ziehen und starb mit nur 9 Jahren. Ob es wirklich zusammenhing, lässt sich natürlich nicht sicher sagen, aber der alte Herr wollte gemütlich rumliegen und seinen Ruhestand genießen, der Welpe aber ständig spielen und toben und ließ ihn kaum in Ruhe. Ich denke, der Altersabstand sollte nicht so groß sein. Aber das hängt natürlich stark vom Charakter deiner Hündin ab, ob sie gern mit Welpen tobt und ob sie ein Chef oder eher ein Mitläufer ist. Bei meinen Hunden verschiebt sich langsam der Rang. Früher klaute Alexa Burli alles, jetzt fängt der eher unsichere Rüde an, der alten Hündin alles zu mopsen, wenn sie nicht aufpasst. Da er eher rangnieder ist, geht der Wechsel sehr langsam und daher schmerzfrei. Er ist ja auch ein Rüde und deshalb nicht in direkter Konkurrenz. Aber ich denke schon, dass es einem starken Hund wie Alexa schwer fällt, sich einzugestehen, dass sie alt wird und nicht mehr so kann wie früher. Sie wird im April (hoffentlich) 12 Jahre. Wäre nun eine ebenbürtige, jüngere Hündin im Haus, gäbe das sicher Konflikte.
Es ist wirklich schwer, Tipps zu geben, da es je nach Hund oder Mensch unterschiedliche Erfahrungen gibt. Aber du musst dir dessen bewusst sein, dass ein Zweithund nicht nebenbei läuft. Jedesmal, wenn du einen streichelst, will der andere auch. Jedesmal, wenn du dem einen etwas beibringst, giert der andere nach Aufmerksamkeit. Jedesmal, wenn du einen schimpfst, fühlt sich der andere mit betroffen. Auch Restaurants und Freunde akzeptieren einen Hund besser als zwei. Im Auto, im Zug, in der Wohnung.... sie brauchen überall mehr Platz. Auch können sie sich gegenseitig zu Unsinn anstiften und du weißt oft nicht, wer nun etwas angestellt hat in Abwesenheit und wer brav war. Solltest Du je in Not kommen und deine Hunde irgendwo unterbringen müssen, ist es mit einem leichter als mit zwei.
Dafür jedoch hätte dein Hund jetzt einen Artgenossen, der seine Sprache spricht. Er hat einen Partner, mit dem er über Wiesen rennen kann und im Körbchen kuschelt, wenn alles gut läuft. Ich glaube, dass der richtig ausgesuchte Zweithund für den ersten trotz aller Abstriche eine Verbesserung darstellt.
Aber welches Alter, Geschlecht, Herkunft, Rasse,.... der Neuzugang haben soll, ist eine wirklich schwere Entscheidung.
Frohes Fest,
Nina
(Alexa ist die große, Burli der kleinere Hund auf dem Bild!)