Abgeschickt von Romy über den kleinen weißen Jungen mit den schwarzen Punkten... am 16 Dezember, 2007 um 12:27:36
Antwort auf: Aarons Geschichte es tut immer noch weh... von Daniela Endemann am 23 November, 2007 um 15:39:22:
Hallo liebe Daniela,
ich hoffe, Du bekommst auch auf diesem Weg meine E-Mail. Soeben habe ich Deine Geschichte von Deinem Aaron gelesen und habe bitterlich geweint. Und ja, Du hast vollkommen recht, dass kaum jemand nachvollziehen kann, wie es ist, der nicht schon Gleiches erlebt hat. Deswegen schreibe ich Dir meine Geschichte auf...
Am 02. Juni 1993 ist unser "kleiner Dalmatinerjunge" Gajus von Wolfsgefährt geboren. Schon etliche Jahr haben wir uns alle einen Dalmatiner gewünscht.
Gute zwei Wochen später haben wir ihn das erste Mal gesehen und das war ein wunderschöner Augenblick, wie er da, - gerade waren seine Punkte langsam zu sehen - mit seinen Geschwistern an der Mama lag und wie es quietschte und knurrte und brummte in der Wurfkiste. Wie die kleinen noch fast weißen Engelchen mit ihrem rosa Bäuchlein purzelten. Es fiel wahnsinnig schwer, wieder nach Hause zu fahren und zu wissen, es dauert noch etwa sechs Wochen, bis wir ihn holen könnten. Zum damaligen Zeitpunkt war ich gerade mal 12 Jahre. Doch nichts desto trotz, ich erinnere mich an jede Kleinigkeit, als wäre es gestern gewesen...
Nach ewigen Telefonaten mit den Züchtern, wie es unserem Kleinen geht, war es dann Ende August 1993 endlich soweit. An diesem Tag wusste ich gar nicht, dass, wenn ich aufgestanden bin, in der Küche schon mein / unser kleiner Junge sitzen sollte, mit der rechten Seite an den Spülschrank in der Küche gelehnt, weil er mit seinen großen Pfoten noch gar nichts anzufangen wusste.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich: Dieser kleine weiße Kerl mit seinen schwarzen Tupfen wird mein Leben verändern und das meiner Familie. Und genauso war es. Schon wenn ich damals von früh bis mittag in der Schule war, vermisste ich ihn schon. Und jeder Nachmittag,- egal ob Regen, Schnee, Sturm oder sonst etwas - ja jeder Nachmittag gehörte uns - ihm und mir.
...
Und so gingen die Jahre dahin. Natürlich merkte man, dass alles ein wenig langsamer gehen musste, als mein Gajus, den wir übrigens immer liebevoll Gaziu genannt haben, dann älter wurde. Mit gut acht Jahre merkte man das bei ihm schon. Und uns wurde klar, dass da irgend etwas nicht stimmen konnte. Er konnte sich nicht mehr hinsetzen, kam kaum noch aus seinem Körbchen und war nach dem Spaziergang immer fix und alle. Und er nahm an Gewicht zu, obwohl er nicht mehr fraß als sonst. Zwischenzeitlich war es dann mal wieder für ein paar Wochen gut und unser Gaziu sprang wieder rum, konnte wieder, wie früher, kaum genug Auslauf bekommen. Aber diese Momente wurden immer seltener und wenn solch ein Ruhepause der Symptome eintrat, dann um ein paar Tage später doppelt schlimm wieder zu kommen. Wir machten uns wahnsinnige Sorgen um unseren kleinen Jungen, denn wir wussten, dass er wollte, aber nicht konnte. Und das war das Schlimmste an der ganzen Sache. Nämlich das er eigentlich geistig immer noch der vor Kraft strotzende und vor Übermut überschäumende kleine Junge war, und das aber sein Körper eine andere Sprache sprach.
Dann, am 02. Juni. 2003 war sein 10. Geburtstag. Und glaub mir, wir haben ihm jedes Jahr etwas geschenkt :o), weil er doch unser kleiner Junge war und all die Glückwünsche auch verdient hatte, die jedes Familienmitglied bei uns verdient hat.
Leider, trotz der immer öfter werdenden Tierarzt- und Tierklinik-Besuche wurde sein Gesundheitszustand nicht besser. Der Tierarzt musste zu uns nach Hause kommen, da für unseren Gaziu ein Liegen oder Sitzen im Auto unmöglich geworden war. Unsere letzte Autofahrt war Ende Juni. Allen gaben die Symptome Rätsel auf und keiner wusste, was unser Gaziu haben sollte. Er bekam Schmerzspritzen, Medikamente, Diätfutter und und und... Seine Knochen waren laut Röntgen in Ordnung. EKG zeigte seitens des Herzens überhaupt keine Auffälligkeiten. Also fuhren wir wieder nach Hause. Am 09. Juli 2003 kam ich (Ich hatte zu der Zeit nicht mehr zu Hause, aber im gleichen Ort gewohnt) und wollte wie immer die kleine Runde mit ihm gehen, die höchstens zwanzig Minuten dauern konnte, da er sonst nicht mehr konnte (dafür immer etwa vier mal täglich). Mein Gaziu wollte ja gern, er wollte wirklich, das sagten mir seine treuen braunen Bernsteinaugen. Meine Mutti stand mit in der Küche und sah genauso wie ich auf den knisternden Korb, in dem unser kleiner Junge versuchte hoch zu kommen und immer wieder zurück fiel. wir schauten uns an und wussten, dass heute der Tag sein musste, an dem wir unserem Gaziu den letzten Liebesdienst erweisen mussten... Es ging nicht mehr und all die Hoffnungen, die wir die letzten zwei Jahre auf Besserung seines Zustandes gehabt haben, nun bitter der Wirklichkeit weichen mussten. Wie in Trance bin ich zum Telefon und habe den Tierarzt gerufen. In der Zwischenzeit hatte sich unser kleiner Jung schon aus seinem Körbchen geschleppt und stand auf wackeligen Beinchen hinter der Tür, als wollte er sagen: Guck´ich habs geschafft, wir können jetzt doch spazieren gehen. Ich nahm ihn in den Arm, und in dem Augenblick kamen meine Brüder und auch mein Vati. Wir hatten alle gerufen und mein Vati ist so schnell er konnte von Arbeit gekommen. Wir alle haben versucht stark zu sein und uns nichts anmerken zu lassen, um unserem kleinen Jungen keine Angst zu machen. Doch dazu kannte er uns zu gut. Er wusste genau, dass etwas nicht stimmte. Er legte sich inmitten der Küche auf den Fliesenboden und sah uns an als wollte er sagen: ihr tut das Richtige.Es klingelte und das erste Mal in seinem Leben bellte er nicht, sondern blieb die ganze Zeit liegen. Dann war der Zeitpunkt gekommen und der Tierarzt stand in der Küche. Er hatte nicht viel dabei. Nur eine kleine Holzschatulle zog er sich aus seinem Mantel. Es ging danach alles ganz schnell. Er machte die Schatulle auf und wir alle sahen uns an. Wir knieten alle um unseren Gaziu herum und streichelten ihn ununterbrochen. Dann setzte der Tierarzt die erste Spritze. Auf einmal rappelte sich unser Gaziu mit seinen wahnsinnig zitternden Beinchen auf und leckte noch ein letztes Mal unser aller Hände. Dann fiel er in sich zusammen und bekam vom Tierarzt die letzte Spritze. Um 17:27 Uhr Dann schlief er für immer ein. Wir werden diese Bilder niemals vergessen. Der Tierarzt ging und wir hoben unseren kleinen Jungen zurück in sein Körbchen und deckten ihn mit seiner Babydecke
zu. wir legten sein Spielzeug mit hinein und fuhren in den Garten, wo wir ihn begraben haben. Und glaub mir, wir haben auch Zweifel gehabt, ob wir das richtige getan haben, ihn auf seinen letzten Weg zu schicken, obwohl er erst zehn Jahre alt war. Aber mittlerweile sind mehr als viereinhalb Jahre vergangen und wir sind uns sicher, dass es das beste war, was wir tun konnten für unseren Gaziu.
Und es vergeht bis zum heutigen Tag kein Moment, an dem wir nicht an unseren kleinen weißen Jungen mit den schwarzen Punkten denken, der damals im August 1993 am Spülschrank in der Küche saß...
Ich wünsche mir, dass die meine Geschichte ein wenig hilft und dich wissen lässt, dass du nicht allein bist mit deiner Trauer.
(Zwei Tage später kam das Ergebnis der Blutuntersuchung von der Tierklinik. Er hatte Borreliose-Antikörper gebildet. Übertragen durch eine Zecke.)
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns vielleicht hier über das Forum noch ein wenig schreiben könnten.
Viele liebe Grüße vom Romy